Was ist GHS?
Im Jahr 1992 wurde auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro das Ziel festgelegt, eine weltweite Harmonisierung der Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien herbeizuführen. Die internationale Staatengemeinschaft erteilte den Vereinten Nationen das Mandat, ein solches harmonisiertes Einstufungs- und Kennzeichnungssystem zu erarbeiten. Im Jahr 2003 wurde das „Globally Harmonised System of Classification and Labelling of Chemicals“ (GHS) erstmals vorgelegt. Es wird kontinuierlich erweitert und verbessert und erscheint alle zwei Jahre in aktualisierter Fassung.

Das unmittelbare Ziel von GHS ist die internationale Harmonisierung bestehender Einstufungs- und Kennzeichnungssysteme aus unterschiedlichen Sektoren wie Transport, Verbraucher-, Arbeitnehmer- und Umweltschutz. GHS setzt damit Maßstäbe für die Bewertung der von Chemikalien ausgehenden Gefahren (Einstufung) und schafft eine gemeinsame Basis, wie die ermittelten Gefahren zu kommunizieren sind (Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblatt).

Wie wird GHS in Europa umgesetzt?

Die Umstellung der Einstufung und Kennzeichnung auf GHS ist Teil der neuen europäischen Chemikalienpolitik. Das System der Einstufung und Kennzeichnung nach den Richtlinien 67/548/EWG (Stoffrichtlinie) und 1999/45/EG (Zubereitungsrichtlinie) wird schrittweise durch die Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 abgelöst. Diese Verordnung – auch GHS- oder CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packing) genannt – ist am 20. Januar 2009 in Kraft getreten.

Der Geltungsbereich der CLP-Verordnung ist nahezu identisch mit dem von Stoff- und Zubereitungsrichtlinie. Die Verordnung legt u. a. fest:

  • welche Einstufungs-, Verpackungs- und Kennzeichnungspflichten Lieferanten vor dem Inverkehrbringen von Stoffen und Gemischen zu erfüllen haben,
  • nach welchen Kriterien Stoffe und Gemische einzustufen sind,
  • wie als gefährlich eingestufte Stoffe und Gemische zu verpacken und zu kennzeichnen sind und
  • für welche Gemische gesonderte Kennzeichnungen vorgesehen sind.


Die CLP-Verordnung legt für Stoffe und Gemische die folgenden Übergangsbestimmungen fest (siehe dazu auch die Übersichtstabelle):

  • Stoffe und Gemische sind spätestens mit Ablauf der jeweils für sie vorgesehenen Übergangsfristen nach den Vorgaben der CLP-Verordnung einzustufen und zu kennzeichnen.
  • Stoffe und Gemische können bereits vor Ablauf ihrer jeweiligen Übergangsfristen gemäß der CLP-Verordnung eingestuft und gekennzeichnet werden. In diesem Fall darf neben der Kennzeichnung nach CLP-Verordnung keine Kennzeichnung gemäß Stoff- oder Zubereitungsrichtlinie aufgeführt sein. Somit ist zu keinem Zeitpunkt eine doppelte Kennzeichnung zulässig.
  • In jedem Fall muss bei Stoffen und Gemischen bis zum Ablauf der gesamten Übergangsphase die Einstufung nach Stoff- oder Zubereitungsrichtlinie im Sicherheitsdatenblatt angegeben werden. Für Stoffe wird es also eine mehrjährige Phase geben, in der beide Einstufungen im Sicherheitsdatenblatt aufzuführen sind. Das gleiche gilt für Gemische, die vor Ablauf ihrer Übergangsfrist gemäß CLP-Verordnung eingestuft und gekennzeichnet werden.
  • Für Stoffe und Gemische, die bereits vor dem Ablauf ihrer jeweiligen Übergangsfrist in Verkehr gebracht wurden und die noch nach den Bestimmungen von Stoff- und Zubereitungsrichtlinie gekennzeichnet und verpackt sind, gilt zusätzliche eine zweijährige Abverkaufsfrist, in der eine Kennzeichnung und Verpackung gemäß CLP-Verordnung nicht erforderlich ist.

 

Fristen der Umsetzung gemäß GHS nach der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

EtikettAlte KennzeichnungNeue Kennzeichnung
Stoffeerlaubt bis 1.12.2010
(Lagerbestände:
+ 2 Jahre)
erlaubt ab 20.1.2009
zwingend ab 1.12.2010
Gemischeerlaubt bis 1.6.2015
(Lagerbestände:
+ 2 Jahre)
erlaubt ab 20.1.2009
zwingend ab 1.6.2015
Sicherheits-
datenblatt
Alte EinstufungNeue Einstufung
Stoffe zwingend bis 1.6.2015erlaubt ab 20.1.2009
zwingend ab 1.12.2010
Gemischezwingend bis 1.6.2015erlaubt ab 20.1.2009
zwingend ab 1.6.2015


Die lange Übergangszeit der Kennzeichnungssysteme (2009 – 2015) soll sicherstellen, dass alle Betroffenen – Behörden, Unternehmen und Interessengruppen – ihre Ressourcen rechtzeitig auf die neuen Pflichten konzentrieren können.

Und was ist mit REACH?
Zwischen der CLP-Verordnung und der REACH-Verordnung gibt es eine Reihe von Berührungspunkten. Dennoch sind die von den beiden Verordnungen erfassten Regelungsbereiche nicht deckungsgleich. Die REACH-Verordnung gilt in erster Linie für Stoffe, und die von ihr aufgestellten Pflichten sind in weiten Teilen an Mengenschwellen gebunden. Demgegenüber unterliegen alle Chemikalien – unabhängig davon, ob es sich um Reinstoffe oder Gemische handelt – vor dem Inverkehrbringen generell der Einstufungs- und Kennzeichnungspflicht, es sei denn, sie sind ausdrücklich von diesen Pflichten ausgenommen.

Was ändert sich konkret?
Die Symbole der Gefahrstoffverordnung (schwarze Symbole auf orangegelbem Grund) werden abgelöst von den Gefahrenpiktogrammen der CLP-Verordnung (schwarze Symbole auf weißem Grund mit roter, auf der Spitze stehender Raute).
Die Gefahrenhinweise (R-Sätze) und Sicherheitsratschläge (S-Sätze) der Gefahrstoffverordnung werden ersetzt durch die Gefahrenhinweise (Hazard Statement) und Sicherheitshinweise (Precautionary Statement) der CLP-Verordnung.

Aus der obigen Darstellung wird ersichtlich, dass sich die Kennzeichnung auf den Produkten von Fessmann & Hecker in den nächsten Jahren aufgrund der gesetzlichen Vorgaben ändert. Um stets den Stand der Kennzeichnung aktuell zu halten, sind nun die CLP (GHS)-Kennzeichnungselemente mit in den Sicherheitsdatenblättern angegeben.

http://www.reach-info.de/dokumente/Leitfadenbroschuere_GHS-Verordnung.pdf